Interview mit Elisabeth Böhm-Christl, Teil 2

S.B.: Was genau ist deine Aufgabe bei der Ensemble-Leitung?

E.B.-C.: Mein Ziel ist es immer, die Werke so einzustudieren, dass ich als Leitende überflüssig werde; dass also die Spieler_innen die Musik so gut kennen, dass sie sich aufeinander beziehen können und mich nicht mehr als vermittelnde Instanz benötigen.

S.B.: Wie kann man sich das genau vorstellen? Kannst du hier einen Aspekt aus deiner Probenarbeit benennen?

E.B.-C.: Gerade bei Werken, die den Spieler_innen nicht so geläufig sind, überlege ich mir zu bestimmten Problemen, die in der Komposition enthalten sind, seien es besonders schwierige Rhythmen, seien es dissonante oder schwierig zu hörende Klänge oder auch unerwartete Aktionen in der Musik, vorbereitende Übungen. Das sind manchmal sehr komplexe Spielanweisungen, die einen besonderen Aspekt der Musik heraus nehmen und intensiv erfahren lassen. Ein anderes Thema, das uns natürlich immer begleitet, ist die Intonation und Übungen dazu, wie z.B. die „Übergabe eines Tones“ von einem zum anderen Instrument, die so gestaltet werden soll, dass der Einsatz des dazu kommenden Instrumentes möglichst gar nicht zu hören ist.

S.B.: Ich kenne deine Übungen ja nur zu gut und finde sie nicht immer angenehm, denn sie zeigen einer/einem doch sehr deutlich die eigenen Schwächen auf. Wie gehst du denn damit um, insofern Überzeugungsarbeit leisten zu müssen.

E.B.-C.: Ach eigentlich ist es dann immer so, dass es letztlich doch allen Spaß macht und spätestens, wenn die zuvor als problematisch empfundenen Stellen plötzlich so einfach und klar sind, als hätten alle sie schon immer verstanden, merken alle, wie toll dieses Erlebnis ist. Glücklicherweise bekomme ich dann auch entsprechendes Feedback.

S.B.: Was gehört denn noch zur Arbeit als Ensembleleitung?

E.B.-C.: Bei mir gehört in Bezug auf dieses Ensemble insbesondere noch dazu, dass ich die Stücke auswähle, sie analysiere, Probenpläne entwerfe, die Proben z.T. sehr detailliert vorbereite, die Reihenfolge der Stücke im Konzert festlege und letztlich auch die Programme herstelle und Moderationen vorbereite. Außerdem kümmere ich mich um Auftrittsorte und nutze hier meine langjährigen Erfahrungen in der Berliner Musik-Szene.

S.B.: Du bekommst ja auch immer wieder vom Publikum zu hören, dass insbesondere die Auswahl der Stücke als sehr interessant, anregend und kontrastreich empfunden wird. Nach welchen Kriterien wählst du denn die Werke aus?

E.B.-C.: Wir haben eigentlich immer ein sehr gemischtes Publikum. Einige wären sicher nicht daran interessiert, ein komplett modernes Programm zu hören, andere wiederum wären sicher nicht bereit, für ein rein „klassisches“ Programm zum Konzert zu kommen. Das habe ich bei der Stückauswahl schon im Hinterkopf, aber hauptsächlich gehe ich danach, welche Stücke ich interessant finde, welche Musik für die meisten Oktettmitglieder nicht bekannt oder nicht so gut bekannt sind, denn sie wollen gerne immer neue Stücke spielen und mögen musikalische und technische Herausforderungen. Darum habe ich auch mit meinen Arrangements unser Repertoire in die Barock-und Renaissancezeit hinein erweitert und höre hier auch nicht auf, Neues zu schaffen bzw. nach Neuem zu suchen.

Also es sind letztlich viele Aspekte, die bei der Programmauswahl eine Rolle spielen.

 

 

 

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