Was hat es mit den festen Sitzordnungen auf sich?

Im letzten Blog hatte ich ja schon angedeutet, dass es für alle Stimmen feste Sitzordnungen gibt und dass dies unterschiedliche Gründe hat.

Selbst z.B. bei einer Rockband sitzt ja der/die Schlagzeuger_in immer hinten in der Mitte, weil das Schlagzeug am lautesten ist und mit dem Beat alle zusammen halten sollte, selbst wenn alle anderen Instrumente verstärkt sind und es, je nach Soundanlage, egal sein müsste, wo sie sich auf der Bühne befinden.

Bei uns und auch im Orchester wird aber nichts verstärkt und so müssen wir, u.a. durch eine sinnvolle Sitzordnung dafür sorgen, dass wir als gesamter Klangkörper ein ausgewogenes Klangbild erzeugen. Im Orchester hat man ja als Parameter insoweit nicht nur die Sitzordnung, sondern auch die Anzahl der Instrumente, die dann den Gesamtklang beeinflussen. Im Orchester sitzen entsprechend die leisesten Instrumente ganz vorne und die lauteren weiter hinten. Innerhalb dieser Regeln gibt es dann noch unterschiedliche Sitzordnungen, je nach Geschmack oder/und Tradition.

Die Sitzordnung im Oktett für klassische Harmoniemusik sieht folgendermaßen aus:

                   1. Horn     Kontrafagott     2. Fagott

                 2. Horn                                                      1. Fagott

                   2. Oboe                                                                       2. Klarinette

                  1. Oboe                                                                               1. Klarinette

Bei uns sieht das so aus:

IMG_4829

Im hinteren Bereich sitzen die tiefen Instrumente. Zentral sitzt entsprechend das Kontrafagott als tiefstes Instrument, damit der Bass von allen gut hörbar ist. Rechts neben dem Kontrafagott das 2. Fagott, weil sie ja meist dieselbe Stimme spielen. Die Anordnung der Hörner lässt sich daraus erklären, wohin ihr Trichter beim Spielen gerichtet ist. Die führende 1. Stimme spielt die 2. Stimme an und sitzt also vom Publikum aus gesehen rechts. Warum die hohen Stimmen vorne sitzen und die jeweils 1. außen, hatte ich ja schon geschrieben.

Dass die jeweils zusammen gehörenden Stimmen immer zusammen sitzen, hängt damit zusammen, dass dieselben Instrumente innerhalb einer Komposition meist ähnliche Funktionen haben. Oftmals spielen sie gleiche oder sich ergänzende Rhythmen oder Begleitfiguren und dieselbe Melodie wird ausgeterzt, also von der 2. Stimme eine Terz tiefer gespielt als von der ersten.

So viel zur Sitzordnung bei der Harmoniemusik. Natürlich zwingen uns räumliche Gegebenheiten der Konzertorte, insbesondere Platzprobleme zu Abweichungen und bei Kompositionen aus anderen Epochen kommt ebenfalls zu anderen Sitzordnungen. In unserem letzten Konzertprogramm haben wir uns zum Beispiel bei der Komposition aus der Renaissance-Zeit in zwei miteinander kommunizierende Chöre aufgeteilt. (Ein Foto dazu findet ihr oben und ganz zu Beginn des Blogs.)

Bei den übrigen Stücken sind wir dann wieder in der typischen Form der Paarigkeit der Instrumente aufgetreten.

2 Gedanken zu “Was hat es mit den festen Sitzordnungen auf sich?

  1. Liebe Susanne,

    hab ich es nicht mitbekommen oder gibt es schon eine Hörprobe des Oktetts hier? Das würde mich brennend interessieren.

    Ich selbst spiele in einem Saxophonquintett und weiß, wie schwierig die Aufstellung sein kann, insbesondere, wenn wir irgendwo im Freien auftreten.

    Eine Frage habe ich noch: Wie wichtig ist für euch das menschliche Miteinander beim Zusammenspiel? Kennt ihr euch alle schon so lange oder hattet ihr Wechsel? Wie haben die sich ausgewirkt? Das sind Fragen, die mich beschäftigen ..

    Liebe Grüße

    Hedda

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    • Liebe Hedda,
      leider gibt es die nicht, aber fühle dich bitte herzlich zu unserem nächsten Konzert eingeladen, über das ich rechtzeitig hier berichten werde.

      Zu deinen Fragen: Das menschliche Miteinander ist uns fundamental wichtig. Wir könnten nicht harmonisch zusammen musizieren, wenn „die Chemie zwischen uns nicht stimmen würde“. Zum Teil kennen wir uns seit Jahrzehnten. Glücklicherweise war es bisher aber so, dass, wenn es zu einem Wechsel kommen musste, eine_r aus dem Oktett die Person ebenfalls schon lange aus anderen Musizierzusammenhängen kannte, so dass nie jemand „ganz fremdes“ dazu gekommen ist. Die gute Stimmung zwischen uns (nicht nur die musikalische) ist insofern für alle so wichtig, als zwar die meisten von uns Musik studiert haben, aber dies nicht ihre Haupteinnahmequelle ist und alle viel dafür einsetzen, zu dem Gelingen beizutragen und sich in ihrer Freizeit nicht schlechten Energien aussetzen möchten.
      Gerne dazu mehr, wenn wir uns das nächste Mal sehen und vielleicht hast du ja dann auch Lust, mir von deinem Saxophonquintett zu erzählen.

      Herzliche Grü0e von Susanne

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